Die Begehung der Winternächte

11. November 2022

16. Rabi al-Ahir 1444

Verehrte Muslime,

unsere Hutbe handelt von der Bedeutung der Begehung der Winternächte und dessen Tage.

Die Zeit ist einer der wertvollsten Schätze, die unser Herr uns beschert hat.

Die gezählten und begrenzten Stunden des Lebens von uns Lebewesen sind ein großes Kapital, mit dem wir unser ewiges Leben verdienen. Diejenigen, die dieses Kapital für nutzlose und schädliche Zwecke einsetzen, werden in der Achiret zu der Gruppe gehören, die bankrott sein werden. In einem Hadis Scherif heißt es: „Am Tag des Qiyamet (am Jüngsten Tag) werden die Füße des Dieners keinen Schritt vorankommen, ehe er über vier Dinge befragt wird: über seine Lebenszeit, wo er sie verausgabt hat; über seinen Körper, wo er ihn aufgebraucht hat; über das Wissen, was er damit gemacht hat und über das Vermögen, wo er ihn verdient und wo er ihn ausgegeben hat.” (Tirmizi, Qiyama, 1)

Eine Zeit, die mit Ibadat (gottesdienstlichen Handlungen) begangen wird, gilt als sehr wertvoll. Freie Zeiträume, insbesondere in den langen Winternächten, geben uns die Gelegenheit, sie besser zu nutzen. Daher sagte unser großartiger Prophet (s.a.w.): „Der Winter ist der Frühling des Gläubigen. Seine Nächte sind lang. So begeht er sie (mit Ibadat). Seine Tage sind kurz und so  fastet er in ihnen.” (Bayhaqi, Sunan, Hadis 8456) Auf diese Weise erklärte er uns, wie die Wintertage und Nächte zu begehen sind.

Das erste, was einem einfällt, wenn es um die Begehung der Winternächte geht, ist zweifellos das Tahaddschud-Gebet. Im Kur’an Kerim wird unserem Propheten (s.a.w.) Folgendes befohlen: „Und in einem Teil der Nacht verrichte damit (mit dem Kur’an) das Tahaddschud-Gebet als ein freiwilliges Gebet für dich. Vielleicht wird dir dein Herr damit eine lobenswerte Stellung verleihen.” (Sure al-Isra, 17:79)

Die Nafile-Gebete, die vor dem Schlafen oder nach kurzem Schlaf nach dem Ischa-Gebet verrichtet werden, bezeichnet man salat al-layl, also Nachtgebete. Wenn man nach kurzem Schlaf aufwacht und es verrichtet, dann nennt man es Tahaddschud-Gebet. Seine Belohnung ist enorm groß. Rasullullah (s.a.w.) pflegte das Tahaddschud-Gebet zu verrichten. Dieses Nachtgebet kann zwei bis acht Rak’as verrichtet werden, wobei alle zwei Rak’as der Gebetsgruß gesprochen wird. Jedoch wird als Mittelwert sechs Rak’as empfohlen.

In einem Hadis Scherif wird gesagt: „Wer in der Nacht aufwacht und seine Frau weckt und beide zwei Rak’as verrichten, so werden sie unter den Männern und Frauen registriert, die Allah Te’alas viel gedenken.” (Abu Dawud, Witr, 13)

Zusätzlich zum Tahaddschud-Gebet sollte man sich bemühen, die Nächte mit Ibadat wie dem Tasbih-Gebet, dem Gedenken Allahs, dem Lesen des Kur’ans und Bittgebeten zu begehen. Die beste Zeit, in der die Ibadat angenommen und erhört werden ist waqt as-sahar, der letzte Teil der Nacht vor der Morgendämmerung. Allah Te’ala lobt die Muslime mit den Worten: „Sie pflegten nur ein wenig in der Nacht zu schlafen und vor der Morgendämmerung baten sie um Vergebung.“ (Sure 51:17-18)

In einer von Dschabir (r.a.) überlieferten Hadis Scherif spricht Rasulullah (s.a.w.) Folgendes: „Wahrlich, in der Nacht gibt es eine Stunde. Wenn ein Gläubiger in ihr zugegen ist und Allah um Gutes von den Angelegenheiten des Diesseits und des Jenseits bittet, so wird Allah es ihm geben. Und das ist jede Nacht so.“ (Muslim, Musâfirîn 166)

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Stunde in der Sahar-Zeit vor der Morgendämmerung liegt. Die Gelehrten erklären, dass die Sahar-Zeit der letzte Sechstel der Nacht ist. (Ruh al-bayan, az-Zariyat, 51:18)

Liebe Muslime,

man sollte nicht vergessen, dass die gemeinschaftlichen Abend- und Nachtgebete, die zu Beginn des Abends liegen und das gemeinschaftliche Morgengebet, das zum Ende der Nacht liegt, zur Begehung der Nächte gehören. Einst fragte Hazret Umar (r.a.) nach dem gemeinschaftlichen Morgengebet nach einem Mann, den er nicht vorfand. Sie sagten: „Diese Person begeht die Nächte mit Ibadat. Es kann sein, dass er zur Stunde vom Schlaf übermannt worden ist.“ Daraufhin sagte Hazret Umar (r.a.): „Hätte er doch nur die ganze Nacht geschlafen und das Morgengebet in der Gemeinschaft verrichtet. Das wäre viel besser.“  (Mektubat-ı İmam-ı Rabbani, Bd. 1, Brief 114)