Die Opferung (Kurban)
24. Juni 2022
25. Zulqada 1443Verehrte Muslime,
in unserer heutigen Hutbe geht es um den Kurban, Opferung im Islam. Kurban bedeutet wörtlich Alllah Te’ala näher kommen. Fiqh-terminologisch bezeichnet es ein besonderes Tier, das mit der Absicht der geistigen Annäherung an Allah Te’ala geopfert wird.
Für jeden freien, ortsansässigen und wohlhabenden Muslim ist es wadschib, also eine Notwendigkeit, am Opferfest ein Opfertier darzubringen. Wohlstand ist gegeben, wenn das Vermögen die Bemessungsgrundlage (Nisab) überschreitet.
Wenn eine Person an den Opfertagen in der Lage ist ein Opfertier zu schlachten und es unterlässt, und danach verarmt, so verfällt die Schuld der Opferung von ihm dennoch nicht.
Es ist lobenswert (mandub) wenn jemand von seinem eigenen Vermögen auch für seine Kinder Opfer darbringt.
Das in der Absicht einer gottesdienstlichen Handlung geschlachtete Tier wird in den islamischen Quellen als Udhiyya, als Opfertier bezeichnet. Zebiha hingegen ist ein Tier, das zu Zwecken des Fleischkonsums geschlachtet wird.
Neben der Opferung zum Opferfest gibt es auch andere Anlässe der Opferung wie Adaq- (Gelübde-), Sühne- (Keffaret-) oder Aqiqa-Opferungen, die letztere für das neugeborene Kind. Aber auch Nafile-Kurbans in der Absicht vom Unheil verschont zu werden oder das Wohlgefallen Allahs zu erlangen sind möglich.
Die Opferung ist eine materielle Ibadet und wird in der Sure al-Hadsch, 22:36-37 folgendermaßen erwähnt: „Und die Opferkamele haben Wir euch zu Kultzeichen Allahs gemacht. Für euch gibt es in ihnen Gutes. So sprecht den Namen Allahs über sie aus, wenn sie gereiht dastehen. Und wenn sie auf ihre Seite umgefallen sind, dann esst von ihnen und speist den (nicht fragenden) Genügsamen und den (bittenden) Armen. So haben Wir sie euch dienstbar gemacht, auf dass ihr dankbar seid. Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, aber es ist eure Ehrfurcht (Taqwa), die Ihn erreicht. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Allah für das, dass er euch rechtgeleitet hat, hochpreist. Und künde denen frohe Botschaft, die Gutes tun.”
Kurban ist ein Zeichen der Aufopferung auf dem Weg Allahs und ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Seinen Gaben. Dessen Folge sind göttliche Belohnung und Sicherheit vor Unheil und Unglück.
Kurban wird einmal im Jahr in gottesdienstlicher Abischt geschlachtet und an Arme und Bedürftige verteilt. Er macht nur einen geringen Teil der Schlachttiere aus, die zu unterschiedlichen Zwecken überall auf der Welt geschlachtet werden. Eine gewisse Intoleranz gegenüber diesem Ritual zeugt von Missachtung und Unkenntnis mancher Menschen. Während viele Tiere zu persönlichen und kommerziellen Zwecken geschlachtet werden, ist die Opferung einerseits ein religiöses Ritual und andererseits erfüllt sie einen karitativen Zweck.
Der Wert dieses Rituals wächst um ein Vielfaches, wenn wir unser Kurban an Arme und Bedürftige, an arme und bedürftige Schüler und Studenten, die die islamisch-religiösen Wissenschaften studieren und keine Angehörigen mehr haben, spenden. Dadurch werden wir auch dem eigentlichen Sinn des Ayets unseres Herrn „Und helft einander in Rechtschaffenheit und Ehrfurcht (Taqwa).” (Sure al-Maida, 5:2) gerecht. Auf diese Weise können wir nützliche Individuen im Dienste der Gesellschaft sein.
Unser überaus geliebter Prophet (s.a.w.) sagte in einem Hadis Scherif: „Der Sohn Adems vollbringt am Opferfest keine Tat, die Allah lieber ist, als das Opfern. Das Opfertier wird zweifellos am Tag des Qiyamet mit seinen Hörnern, Haaren, Hufen und Klauen gebracht werden. Wahrlich, bevor das Blut des Opfertiers auf den Boden fällt, fällt es an einen Ort bei Allah (und findet so Annahme). Daher sucht euer Opfertier aus den Besten aus.” (Tirmizi, Adahi, 3)
In einem anderen Hadis Scherif heißt es: „Wer die Möglichkeit hat, ein Opfertier darzubringen und es nicht tut, soll sich nicht unserer Gebetsstätte nähern!” (Ahmad b. Hanbal, 8273; Ibn Madsche, Adahi, 2 (3123)
Imam Azam Ebu Hanife entschied sich angesichts dieser warnenden Aussage unseres Propheten gegenüber denen, die es vernachlässigen sollten, für die Pflichtigkeit (wadschib) der Opferung.