Die Rechtleitung (Hidaya)
30. Dezember 2022
7. Dschumada l-achira 1444Verehrte Muslime!
In unserer heutigen Hutbe geht es um die Notwendigkeit, der Rechtleichtung (hidaya) zu folgen. Hidaya, ist der rechte Weg, der zu Allah Ta’ala führt. Dieser Weg ist der Kur’an Kerim und der Islam, der in ihm beschrieben wird.
Das Gegenteil von Hidaya ist Dalala, d.h. Irreführung, Verirren. Diese Tatsache wird unserem Propheten im Kur’an Kerim wie folgt geschildert: „Sprich: „O ihr Menschen! Die Wahrheit ist von euerem Herrn nunmehr zu euch gekommen. Wer nun der Rechtleitung folgt, der folgt dem rechten Weg zu seinem eigenen Vorteil. Und wer irregeht, der geht nur zu seinem eigenen Nachteil irre. Und ich bin nicht euer Sachwalter.” (Sure Yunus, 10:108)
Eine dieser beiden Wege, die Hidaya, führt in die Dschennet, die Allah Ta’ala Seinen Dienern versprochen hat und der andere Weg, die Dalala, führt in den Dschehennem, über die Er uns benachrichtigt hat. Diese beiden Wege werden auch als Haq und Batil, Wahrheit und Unwahrheit bezeichnet.
Wird Hidaya unserem Propheten und seinen Erben zugeschrieben, so hat es die Bedeutung „auf den rechten Weg führen”. Hierzu heißt es in der (42.) Sure Schura, Ayet 52: „Und wahrlich, du leitest zu einem geraden Weg.”
Jedoch ist Allah, derjenige, der eigentlich die Rechtleitung erschafft. In diesem Sinne sagt Allah der Allmächtige: „Wahrlich, du kannst nicht rechtleiten, wen du gern möchtest. Allah aber leitet recht, wen Er will. Er kennt wohl die Rechtgeleiteten.” (Sure al-Qasas, 28:56)
Der rechte Weg ist eins, nämlich der Islam, der nach den Grundlagen der Ahl as-Sunna wa l-Dschama’a gelebt wird. Der Grund, warum andere Strömungen außerhalb der Ahl as-Sunna firaq dâlla, also Splittergruppierungen bezeichnet werden, liegt darin, dass sie nur Nachahmungen des rechten Weges sind. Batil (Unwahrheit) jedoch ist vielfältig und unterschiedlich.
Liebe Muslime! Die Aufgabe eines jeden Mu’min (Gläubigen), der die Hidaya (Rechtleitung) gefunden hat, besteht darin, diesem Weg aufrichtig zu folgen, ohne davon abzuweichen und sich für die Rechtleitung derer zu kümmern, die von diesem Weg abgekommen sind. Die große Bedeutung dieser Tugend wird in einem Hadis Scherif, überliefert von Abu Rafi’ (r.a.), folgendermaßen beschrieben: „Die Rechtleitung Allahs eines Menschen durch dich ist für dich viel besser als alles, worüber die Sonne scheint und untergeht.” (Tabarani, Al-Mugdscham al-Kabir, Hadisnr. 925)
Hazret Ebul-Faruk Silistrevi bemühte sich mit all seiner Kraft um die Rechtleitung der Umma unseres Propheten und gab seinen Schülern folgenden Ratschlag: „Eure Aufgabe ist es, die Kinder der Umma Muhammeds, die in den Sumpf gefallen sind, aus dem Sumpf zu befreien. Ziel ist die rizai-ilahi, das Wohlgefallen Allahs.” (Sunguroğlunun Notları, S. 159) Sumpf beschreibt in diesem Kontext Unglaube und Sündhaftigkeit.
In bestimmten Zeiten nehmen Sünden besonders um Vielfaches zu und führen dazu, dass Menschen sogar die Besinnung verlieren. Dazu gehören unter anderem Alkoholgenuss, Glückspiele und andere vergleichbare Fehltritte unter anderem bei Neujahrsfeier. Muslime sollten Haltung bewahren und Neujahr nicht zum Anlass nehmen, um Taten zu vollziehen, die dem Rida’llah, dem Wohlgefallen Allahs und seines Gesandten widersprechen. Vielmehr sollten sie sich selbst Rechenschaft über das vergangene Jahr ablegen und sich darüber Gedanken machen, wie sie das kommende Jahr noch besser mit Ibadat und gottgefälligen Taten gestalten können.
Daher jemanden, der keinen Iman hat, zum Glauben zu verhelfen, Sündige zur Ibadat zu führen und Frommen den Weg des Ichlas, der Aufrichtigkeit, zu zeigen, sind Beispiele, wie man Menschen auf den Weg der Rechtleitung führt.
Unser Prophet (s.a.w.) berichtet, dass Menschen, die Werkzeuge der Rechtleitung sind, einen Anteil an der Belohnung derer haben werden, die rechtgeleitet wurden und so den geraden Weg gefunden haben. Er sagt: „Gewiß, wer zum Guten anleitet, ist gleich demjenigen, der dieses Gute tut.” (Tirmizi, Ilm, 14, Hadisnr. 2670)
Sollten wir uns nicht noch mehr um Ibadat und gottgefällige Taten bemühen, anstatt uns beim Übergang zum Neujahr wegen eines Traums gegen Allah aufzulehnen, von dem man nicht weiß, was die Zukunft bringt? Lasst uns das Neujahr aus einer anderen Perspektive betrachten. Unsere Erde und die Menschheit werden um ein Jahr älter. Der Abstand zwischen uns und dem Tod wird um ein weiteres Jahr kürzer und welche Schwierigkeiten die Zukunft bringen wird, weiß keiner.
Ein wachsamer und intelligenter Muslim versteht es, die Ereignisse aus dem Blickwinkel des Imans heraus zu betrachten und nicht aus dem Blickwinkel der Nafs, des Egos.