Erziehung der Kinder und religiöse Bildung

10. Juni 2022

11. Zulqada 1443

Liebe Muslime,

unsere heutige Hutbe handelt von der Erziehung der Kinder. Das Wort „Terbiye” ist arabischen Ursprungs und bedeutet großziehen, aufziehen, erziehen. Jede Gemeinschaft erzieht ihre Kinder nach ihrem eigenen Glauben, Kultur und Tradition. Es ist für uns Muslime eine Pflicht, unsere Kinder nach unserem Glauben und ethischen Werten zu erziehen. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sind von Allah in unsere Obhut anvertraut. Wenn wir unserer dieser Verantwortung nicht nachkommen sollten, sind wir gegenüber Allah Te’ala Rechenschaft schuldig. Darüber hinaus verbauen wir unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder.

Lasst uns der Ansprache unseres Schöpfers in Sure at-Tahrim, 66:6, Gehör schenken: „O ihr, die  den Iman verinnerlicht habt, hütet euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind. Über ihm sind strenge und harte Engel, die sich Allah in dem, was Er ihnen befiehlt, nicht widersetzen und das tun, was ihnen befohlen wird.”

Um vor dem Feuer des Dschehennem verschont zu werden, ist es notwendig, sich an die Gebote und Verbote Allahs zu halten. Eine Erziehung, in dessen Mittelpunkt nicht die Ehrfurcht vor Allah steht, kann jemand nicht zu einem insan kamil, einem besseren und volkommenen Menschen machen. Auch wenn es hilft, erfolgreich in  weltlichen Dingen zu sein, kann es nicht verhindern, dass man das Jenseits verliert.

Unser Prophet (s.a.w.) erklärte in einem Hadis Scherif, welche Werte bei der Erziehung von Kindern berücksichtigt werden sollten: „Erzieht eure Kinder mit drei Eigenschaften: die Liebe zu eurem Propheten, die Liebe zu seinen Angehörigen und das Lesen des Kur’ans. Wahrlich, die Träger des Kur’ans (diejenigen, die sich für ihn einsetzen), werden an dem Tag, an dem kein anderer Schatten sein wird, mit Seinen Propheten und Seinen angesehenen Dienern zusammen unter dem Schatten (des Throns) Allahs sein.” (Suyuti, Cami’ as-Sagir, Bd. 1, S. 114)

Die Erziehung von Kindern hat drei wichtige Säulen: Familie, Schule und Gesellschaft. Schulen sind heutzutage Einrichtungen, in denen unsere Kinder weltliche Bildung erhalten. Die Gesellschaft, besser gesagt, das Umfeld ist leider weit fern von religiöser Sensibilität; manches Umfeld sollte aufgrund schlechter Einflüsse sogar vermieden werden. Daher müssen wir dafür Sorge tragen, dass unsere Kinder von schlechten Freunden, schädlichen Veröffentlichungen und Sucht verschont bleiben. Hierbei fällt der Familie eine wichtige Rolle zu.

Verehrte Muslime,

um ein gutes Ergebnis bei der Erziehung zu erzielen, sollten auch bewährte Methoden angewandt werden. Beispielsweise sollte ein Muslim eine Methode fern von Härte und Gewalt anwenden. Denn Gewalt und Härte erzeugen Hass und Ekel. Der Islam ist jedoch eine Religion der Liebe und der Güte.

Ferner sollte ein Muslim selbst sowohl in der Gesellschaft, in der er lebt, aber auch gegenüber seinen eigenen Kindern ein Vorbild sein. Einer, der die Werte wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Frömmigkeit, Güte und Sauberkeit lebt, ist zweifellos wirkungvoller.

Wie unser Prophet (s.a.w.) sagte, wird jedes Kind „in einer reinen Natur (fitra) geboren.” (Sahih Ibn Hibban, 129) In einer anderen Überlieferung heißt es „in einer islamischen (gottgläubigen) Natur geboren.”  

Um diese Natur des Kindes zu bewahren, müssen wir als Familie unserer Verantwortung nachkommen und uns darum kümmern, dass es in islamischen Bildrungseinrichtungen seine religiöse Bildung erhält und dass seine islamische Erziehung durch islamische Gelehrte ergänzt wird. In diesem Bewusstsein solltet ihr die große Chance ergreifen, eure Kinder in die Sommerkurse der Gemeinden des Verbandes der Islamischen Kulturzentren zu schicken, damit sie ihre Religion kennenlernen können.

Öffnet eure Ohren für die gute Botschaft in dem folgenden Hadis Scherif: „Wenn der Mensch stirbt, enden (damit auch) seine Wohltaten, ausgenommen davon sind drei: fortwährende Spende (sadaqa dschariya), Wissen, von dem Nutzen gezogen wird und ein frommes Kind, das für ihn betet.” (Müslim, Wasiyya 14.)

Wer möchte nicht einen so guten Nachkommen haben, der der Gesellschaft zugute kommt und als Hinterbliebener sich seiner Verstorbenen erbarmt und ihnen spirituelle Geschenke nachschickt?