Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten

02. September 2022

6. Safer 1444

Verehrte Muslime,

      in unserer heutigen Hutbe geht es um, ita’a, Gehorsam gegenüber Allah und seinem Gesandten. Gehorsam ist die Hingabe an das, was befohlen wird.

Es gibt zwei Arten von Gehorsam: Zum einen der erzwungene Gehorsam gegenüber einer grausamen und ungerechten Macht, gegenüber der man ohnmächtig ist und sich ihr unterwirft. Diese Art von Gehorsam ist ein vorgetäuschtes Gehorsam. Bei der erstmöglichen Gelegenheit würde man sich widersetzen. Darin verbirgt sich eine Auflehnung.

Zum anderen gibt es den Gehorsam gegenüber einer gütigen und freundlichen Kraft,  der man sich in Liebe unterordnet, der Respekt, Verbundenheit und Dankbarkeit beinhaltet. Darin gibt es nicht einmal im Ansatz eine auflehnende Haltung. Versehentliches Ungehorsam wird dabei mit Reue und Schamgefühl wiedergutgemacht. Gehorsam gegenüber Allah und seinem Gesandten gehört zu dieser Kategorie.

Allah Te’ala ist das höchste Wesen, das das Universum aus Nichts erschaffen hat, das uns umsonst mit materiellen und immateriellen Gaben wie Körper, Geist, Verstand, Nahrung, Iman und Islam beschenkt hat. Kann man sich unter diesen Umständen überhaupt vorstellen, dass ein Gläubiger Allah Te’la nicht gehorcht?

Gehorsam gegenüber Allah Te’ala besteht darin, seine Gebote zu befolgen und sich von seinen Verboten fernzuhalten. Gehorsam gegenüber Seinem Gesandten ist gleich dem Gehorsam gegenüber Allah. Diese Tatsache wird im Kur’an Kerim folgendermaßen ausgeführt: „Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Allah. Doch wer sich abwendet, (siehe) Wir haben dich nicht als Hüter über sie gesandt.” (an-Nisa, 4:80)

Der Glaube an die Gesandten Allahs, insbesondere an das Prophetentum unseres Propheten gehören zu den Glaubensartikeln. Iman ist ein Ganzes, der keine Teilung kennt. Wird ein Glaubensartikel geleugnet, so ist es wie wenn jemand den ganzen Glauben leugnet. Dieser Artikel ist sogar der wichtigste unter allen. Denn Allah Te’ala hat sein Wesen im Diesseits vor Seinen Dienern verborgen und hat seine Existenz den Menschen und den Dschinn durch die Gesandten kundgetan. Wenn der Glaube an Propheten wegfiele, dann gäbe es keine Belege für metaphysische Wahrheiten wie Allahs Existenz, Offenbarung, Engel, Jüngster Tag, Paradies und Hölle. Daher verbindet unser Glaubensbekenntnis den Satz „Es gibt keinen Gott außer Allah.” mit den Worten „Muhammed ist Allahs Gesandter.”

Verehrte Muslime,  es gehört zu den menschlichen Tugenden gegenüber jemanden, der uns etwas Gutes tut, sich zum Dank verpflichtet zu fühlen, und ihn auch Gutes widerfahren zu lassen. Wie kann es denn sein, dass man dem Auserwählten der Welten nicht gehorcht, der uns über Allah informiert hat und uns gelehrt hat, Ihn zu lieben, zeit seines Lebens sich mit all seiner Kraft für uns eingesetzt hat, damit wir nicht in den Dschehennem kommen.

Er ist derjenige, über den Allah Te’ala sagt: „Und er redet nicht aus (eigener) Laune. Vielmehr ist es eine Offenbarung (wahy), die ihm eingegeben wurde.” (an-Nadschm, 53:3-4) Daraus resultiert, dass die Rede des Propheten auf Offenbarung beruht. Für eine Person, die diese Wahrheiten kennt, gibt es keinen Raum für Einwand und keine Möglichkeit für Auflehnung.

In dem folgenden Hadis Scherif übermittelt unser Prophet (s.a.w.) die frohe Botschaft vom Paradies denen, die ihn gechorchen: „Jeder von meiner Umma wird in den Dschennet eingehen, außer denen, die sich abwenden.” Sie sagten: „O Rasulallah! Wer sind die, die sich abwenden.” Er sagte: „Wer mir gehorcht, wird das Paradies betreten und wer auch immer sich mir widersetzt, wendet sich ab.” (Buchari, I’tisam, 2)

Allah Te’ala erklärt den Gehorsam gegenüber Seinem Gesandten folgendermaßen: „O die ihr glaubt! Gehorcht Allah und Seinem Gesandten und wendet euch nicht von ihm ab, wo ihr doch hört.” (al-Anfal, 8:20)

Allah und Seinen Gesandten zu lieben und ihre Befehle zu missachten, sich von ihren Verboten nicht zu distanzieren, stehen im klaren Widerspruch. Imam Schafi’i beschreibt diesen Widerspruch in seinem Gedicht wie folgt:

Du lehnst dich gegen Gott auf, obwohl du behauptest, ihn zu lieben. Das ist nach der Logik unmöglich und seltsam. Wenn deine Liebe wahr wäre, würdest du ihm gehorchen. Denn der Liebende gehorcht dem, den er liebt.“