Nafile-Ibadat (Freiwillige gottesdienstliche Handlungen)

27. Januar 2023

5. Redscheb 1444

Liebe Muslime,

in unserer heutigen Hutbe sprechen wir über die Nafile-Ibadat. Nafile bedeutet Zusätzliches. Ibadat, also gottesdienstliche Handlungen, die sich außerhalb der Farz- und Waschib-Verpflichtungen befinden, werden Nafile-Ibadat bezeichnet.

Farz-Handlungen sind obligatorische Aufgaben, die wir erfüllen müssen. Wenn nicht, dann sind wir zur Rechenschaft verpflichtet. Ihr Verdienst ist groß. Nafiles hingegen sind freiwillige gottesdienstliche Handlungen, die wir zwanglos als Ausdruck unserer Aufrichtigkeit und Verbundenheit ausüben. Sie sind ein Grund für das Wohlgefallen Allahs.

Keine Nafile kann einen Farz ersetzen. Aber Nafile-Gebete zusätzlich zu den Farz-Gebeten können die Mängel bei den Farz beseitigen und die Gläubigen Allah Te’ala näher bringen.    In einem Hadis Scherif überliefert von Hazret Ebu Hureyre (r.a.) spricht unser Prophet (s.a.w.) Folgendes: „Das erste, wofür ein Diener am Tag der Qiyama zur Rechenschaft gezogen wird, ist das rituelle Gebet (salah). Wenn er seine Gebete vollkommen verrichtet hat, so ist er gerettet. Wenn er sie nicht vollständig verrichtet hat, so spricht Allah (azze we dschelle) (zu Seinen Engeln): “Schaut auf die Nafile-Gebete meines Dieners!” Wenn jener Nafile-Gebete besitzt, so dann spricht Er: “Ergänzt seine Farz mit den Nafile-Gebeten!” (Sahih an-Nasa’i, 466)

Auch der folgende Hadis Qudsi betont die Bedeutung der Nafile-Ibadat: „Durch die Erfüllung der Farz-Verpflichtungen befreit sich mein Diener von Mir (von Meiner Bestrafung) und durch die Nafiles nähert er sich Mir.” (Ruh al-bayan, Bd. 6, S. 475, Kommentar Sure Al-Ankabut, 29:45)   Im Leben unseres Propheten nehmen die Nafile-Gebete einen wichtigen Platz ein. Allah Te’ala selbst befahl ihm in der folgenden Ayet Kerime sogar das Teheddschüd-Gebet, was eigentlich freiwillig ist, zu verrichten: „Wache einen Teil der Nacht auf und verrichte (mit dem Lesen des Kur´ans) das nächtliche Gebet als freiwilliges Zusatzgebet, auf dass dein Herr dich zu einem lobenswerten Rang erweckt!.”(Sure al-Isra, 17:79)

Als unsere Mutter Hazret Aische den Propheten (s.a.w.) in der Nacht beten sah, bis seine Füße anschwollen, sagte sie: „O Gesandter Allahs, warum handelst du so, wenn dir doch der Weg zur Sündhaftigkeit sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft verschlossen ist.” Daraufhin erwiderte Rasulullah (s.a.w.): „O Aische, darf ich denn nicht ein überaus dankbarer Diener Allahs sein?” (Muslim, 2820)

Auch wenn bei der Erwähnung der Nafile-Ibadat die freiwilligen rituellen Gebete zuerst in den Sinn kommen, so muss gesagt werden, dass ihr Feld sehr weit ist. Zu den Nafile-Ibadat gehören beispielsweise das Fasten außerhalb des Ramadan, Spenden außerhalb des Zekat, das Rezitieren und Hören des Kur’an Kerims, Teilnahme an Predigtkreisen, die Beschäftigung mit Gedenken oder dergleichen Handlungen.

Die ersten nennenswerten Nafiles im Bereich der rituellen Gebete sind die Sunna-Gebete vor und nach den Farz-Gebeten sowie das Teheddschud-Gebet, das nachts nach dem Aufwachen verrichtet wird.    Das Duha-Gebet nach Verstreichen der verpönten Zeit (waqt al-karaha) nach dem Sonnenaufgang sowie das Ewwabin-Gebet nach dem Abendgebet sind sehr verdienstvoll. Am besten sollten sie sechs Rekats verrichtet werden. Darüber hinaus gilt das Tesbih-Gebet, das  von Zeit zu Zeit empfohlen wird,  als die größte Vergebungsbitte.        Auch die für diese Monate spezifischen Nafile-Gebete sind sehr wertvoll. Vielleicht ist es die letzte Gelegenheit, sie zu verrichten.

Unser Prophet (s.a.w.) hat in verschiedenen Hadis Scherifs darüber berichtet, dass Ibadat an gesegneten Tagen und Nächten noch mehr belohnt werden, vergleichbar mit der Arbeit, für die man an besonderen Tagen und unter besonderen Umständen mehr Lohn bekommt als sonst. Die drei Monate, die wir nun begehen, gehören zu diesen besonderen Zeiten.

Welch ein Segen ist es, diese Monate mit dem Rezitieren des Kur’an Kerims, mit der Lesung der Tewhid-Formel, Teilnahme an religiösen Gesprächskreisen und Predigten zu verbringen und sich auf die Ibadat zu konzentrieren.