Wut überwinden

07. Januar 2022

4. Dschumadal-Achira 1443

Verehrte Muslime,

in unserer Hutbe geht es um das Thema „Wut überwinden”.

Wut ist eine extreme Emotion, die das Blut in den Adern eines Menschen kochen lässt, ihn erblindet und sein Bewusstsein raubt. Gleichzeitig ist es eine Prüfung für den Menschen.

Gläubige, die sich selbst, ihre Nafs (die Triebseele), beherrschen und ihren Zorn zurückhalten, werden von Allah und seinem Gesandten gelobt. In der Sure Schura (42) Ayet 37 heißt es dazu:

die (Gläubigen) die große Sünden und Schändlichkeiten meiden und wenn sie zornig sind, vergeben.”

Wie auch aus dem Ayet hervorgeht, sind jene vollkommene Gläubige, die sich selbst unter Zorn beherrschen und keine Rache verspüren.

Unser Prophet (s.a.w.) sagt in einem seiner Hadis Scharifs: „Wenn einer von euch wütend ist, so soll er schweigen.” (Suyuti, Dschamius- Saghir, 763)

Der Moment der Wut ist einer der Momente, in denen die Nafs und der Schaitan am meisten beschäftigt sind. Sie versuchen mit aller Kraft, den Menschen dazu zu bringen, alle Arten von Bösem zu tun.

Hazret Ebul-Faruk Silistrevi sagt:

„Das Einzige, was den Menschen von guten Taten und Rechtleitung abhält, ist seine Nafs (die Triebseele). Es hat die Kraft von 72 Schaitans zusammen und verteilt sich im ganzen Körper. Sein Zentrum befindet sich zwischen den beiden Augenbrauen. Der Mensch wird manchmal wütend und sagt: “Ich werde es zerschlagen und zerstören.” Er rebelliert gegen seine Eltern. All das sind Produkte der Nafs.” (Sunguroglunun Notları)

Auch wenn wir beleidigt oder einem Unrecht ausgesetzt sind, sollten wir nicht aus Wut handeln und uns dem Feuer des Dschehennem aussetzen, in dem wir das Seil der Nafs loslassen. So können wir uns vor dem Schaden des Zorns schützen.

Liebe Muslime,

Wut bei Verteidigung der Religion, der Heimat und der Familie in angemessener Form und Maß kann einem zum Helden machen, aber den Zorn zu zügeln, wo es nicht bedarf, macht den Menschen erst recht zum Helden.

Rasulullah (s.a.w.) erklärt uns den wahren Helden mit seinen folgenden Worten: „Der Starke ist nicht derjenige, der beim Ringen jeden besiegt, sondern derjenige, der im Moment des Zorns sich selbst, seine Nafs, beherrscht.” (Buchari, 6114, Muslim, 107)

Es ist auch wichtig, uns bewusst zu machen, wohin die außer Kontrolle geratene Wut führen kann.

Wut kann die Verwandschaftsbande (silatu r-rahim), d.h. die islamisch notwendige Bindung und Zusammenhalt zwischen den Verwandten, zerstören. Es kann sogar Menschen feindselig gegenüber Müttern, Vätern, Geschwistern, Onkeln, Tanten und Kindern machen.

Die Worte, die manch einer im Moment der Wut von sich gibt, kann ihm seinen Iman kosten. Jene, die im Zorn Allah, seine Propheten, den Kur’an, den Din (Religion) und Iman und andere Heiligtümer des Islams verschmähen, verlassen bedauerlicherweise den Kreis des Din. Wenn jemand wütend ist und seiner Frau die Scheidung (talaq) ausspricht, ist die Scheidung rechtmäßig, auch wenn er sie damit nur erschrecken wollte. In diesen Angelegenheiten gilt weder Wut als eine Entschuldigung noch ist mit ihnen zu spaßen.

Als unser Prophet von der üblen Nachrede der Heuchler (munafiqun) während des Feldzugs nach Tebuk durch eine göttliche Offenbarung erfuhr, stellte er sie zur Rede. Sie sagten: „O Rasulallah, wir haben es nicht ernst gemeint. Wir haben nur untereinaner gescherzt.”

Daraufhin offenbarte Allah, der Allmächtige, die folgenden Ayets: „Und wenn du sie fragst, so werden sie gewiß sagen: “Wir haben nur geplaudert und gescherzt.“ Sprich: „Habt ihr euch etwa über Allah, Seinen Ayets und Seinen Gesandten lustig gemacht?“ Entschuldigt euch nicht! Ihr seid bereits ungläubig geworden, nachdem ihr den Glauben (angenommen) hattet.“ (Sure at-Tauba 9:65-66)

Wir müssen uns also gut überlegen, wen wir als Wegweiser wählen wollen. Wollen wir der Nafs und dem Schaitan folgen oder dem Weg, den die Ayets und die Hadise aufzeigen?